
Meeresschildkröten bei Sharm el-Sheikh: Ein Tauchveteran teilt seine Geheimnisse
In den über 40 Jahren, die ich als Tauchlehrer in Sharm el-Sheikh arbeite, habe ich unzählige Wunder unter Wasser gesehen. Doch von allen Tieren sind es die Meeresschildkröten, die meine Gäste am meisten begeistern.
Die Ruhe, die diese uralten Wesen ausstrahlen, wenn sie durch das Blau gleiten, ist unvergleichlich – ein Anblick, der niemanden unberührt lässt.
Viele Reisende kommen mit dem Wunsch hierher, diese sanften Reptilien aus nächster Nähe zu erleben. Aus meiner langen Erfahrung möchte ich Ihnen deshalb verraten, wo Sie die besten Chancen dafür haben. Genauso wichtig ist es mir aber, zu vermitteln, wie wir gemeinsam dafür sorgen, dass diese Begegnungen für Tier und Mensch ein schönes Erlebnis bleiben.
Die sanften Riesen der Riffe: Welche Arten Sie in Sharm el-Sheikh antreffen
Im Roten Meer um Sharm el-Sheikh haben wir das Glück, regelmäßig zwei Hauptarten von Meeresschildkröten beobachten zu können.
Die weitaus häufigste Art ist die Echte Karettschildkröte (Hawksbill Turtle). Sie erkennen sie an ihrem schmalen, spitzen Kopf und dem wunderschön gemusterten Panzer, der in der Vergangenheit leider oft für Souvenirs missbraucht wurde. Diese Schildkröten werden bis zu 90 Zentimeter groß und ernähren sich hauptsächlich von Schwämmen, die sie mit ihrem schnabelartigen Maul von den Korallen pflücken.

Deutlich seltener, aber ebenso beeindruckend, ist die Grüne Meeresschildkröte (Green Sea Turtle). Sie ist größer als die Karettschildkröte und an ihrem runderen Kopf zu erkennen. Ihr Name leitet sich von der grünlichen Farbe ihres Körperfetts ab, die durch ihre pflanzliche Nahrung – hauptsächlich Seegras – entsteht.
Meine Top-Spots: Wo die Chancen auf eine Begegnung am besten stehen
Gäste fragen mich immer wieder nach dem „geheimen“ Ort für Schildkrötensichtungen. Ein Geheimnis ist es nicht, aber es gibt einen Platz, den ich seit Jahrzehnten anfahre und der selten enttäuscht: Turtle Bay. Der Name kommt nicht von ungefähr, denn das flache Riffdach mit seinen Seegraswiesen bietet den Tieren die perfekte Futterquelle.
Aus Erfahrung weiß ich: Wenn wir am Vormittag dort tauchen oder schnorcheln, liegt die Sichtungswahrscheinlichkeit bei etwa 60 %. Die Schildkröten sind dann meist entspannt beim Fressen und lassen sich gut beobachten. Wir finden sie meist in einer Tiefe zwischen 5 und 25 Metern, wo sie in Ruhe grasen.

Weitere gute Spots sind die seichten Gärten der Tiran-Straße wie das Jackson Reef oder das Woodhouse Reef, wo man sie oft an den Riffkanten entlangschwimmen sieht.
Das Timing ist alles: Wann Sie die Schildkröten am ehesten sehen
Der Vormittag ist die beste Zeit, denn dann sind die Schildkröten aktiv und mit Fressen beschäftigt. Sie sind zu dieser Tageszeit oft weniger scheu und lassen Beobachter näher an sich heran – solange wir den nötigen Respekt wahren.
Während der Mittagszeit und am Nachmittag ziehen sie sich häufig in tiefere Bereiche zurück oder ruhen unter Überhängen. Jahreszeitlich gibt es übrigens kaum Unterschiede. Die Tiere sind das ganze Jahr über hier anzutreffen.
Ein respektvoller Besuch: Die goldenen Regeln der Schildkröten-Begegnung
Das ist der wichtigste Punkt, den ich jedem Gast an Bord meines Bootes, der Blue Hole, ans Herz lege. Eine Begegnung mit einer Schildkröte, die bis zu 80 Jahre alt werden kann, ist ein Privileg. Wir sind nur Gäste in ihrem Zuhause.
Was Sie tun sollten (Do’s):
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Nähern Sie sich langsam und von der Seite, damit sich das Tier nicht bedrängt fühlt.
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Halten Sie mindestens 3–4 Meter Abstand und geben Sie der Schildkröte immer einen freien Fluchtweg.
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Bewegen Sie sich ruhig und machen Sie keine hektischen Bewegungen.
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Fotografieren Sie ohne Blitz, da das grelle Licht die Tiere stört und stresst.
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Beobachten Sie und genießen Sie einfach den Moment.
Was Sie niemals tun dürfen (Don’ts):
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Fassen Sie eine Schildkröte niemals an. Ihre Haut ist empfindlich, und unser Kontakt kann Krankheiten übertragen.
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Schwimmen Sie nicht direkt über der Schildkröte, da dies ihren Weg an die Oberfläche zum Atmen blockiert.
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Jagen oder verfolgen Sie die Tiere nicht. Wenn eine Schildkröte wegschwimmt, akzeptieren Sie das.
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Füttern Sie die Tiere nicht.
Ich habe schon oft erlebt, dass ein Gast vor lauter Begeisterung versucht, eine Schildkröte zu streicheln. In solchen Momenten greife ich ruhig, aber bestimmt ein. Ich nehme den Gast dann beiseite und erkläre ihm, dass dies Wildtiere sind. Ich sage dann oft: „Stellen Sie sich vor, ein Fremder kommt in Ihr Wohnzimmer und fasst Sie einfach an. Genau so fühlt sich die Schildkröte jetzt.“ Meistens sorgt dieses Bild für direktes Verständnis. Wir sind hier, um zu beobachten, nicht um einzugreifen.
Ein persönlicher Gedanke zum Schluss
Ich fahre seit Jahrzehnten fast täglich aufs Rote Meer hinaus, und selbst für mich ist jede Schildkrötensichtung immer noch etwas Besonderes. Wenn ich mit meinem Sohn Samir unterwegs bin, halten wir manchmal einfach nur inne und schauen diesen Geschöpfen bei ihrem Tagwerk zu.

Das erdet und erinnert daran, wie wertvoll und schützenswert diese Unterwasserwelt ist. Wenn Sie sich an diese einfachen Regeln halten, wird Ihre Erfahrung nicht nur sicher, sondern auch viel intensiver und unvergesslicher. So nehmen Sie mehr als nur ein Foto mit nach Hause: die Erinnerung an eine echte, respektvolle Begegnung mit einem der ältesten Bewohner unserer Meere.
