Verantwortungsvolle Fotografie: Mein unumstößlicher Kodex zum Schutz des Roten Meeres

Mein Name ist Mohammed Saad, doch die meisten nennen mich Mimo. Seit über 40 Jahren bin ich Tauchlehrer hier in Sharm el-Sheikh – das Rote Meer ist mein Leben, mein Zuhause. Ich habe seine Schönheit auf Tausenden von Tauchgängen erlebt und mit Gästen aus aller Welt geteilt.

Doch in den letzten Jahren sehe ich immer häufiger etwas, das mir Sorgen bereitet: Taucher, die mit beeindruckenden Kameras ins Wasser gehen, aber dabei die grundlegendsten Regeln des Respekts vor der Natur vergessen.

Ein Foto ist eine wunderbare Erinnerung, aber kein Bild der Welt ist es wert, dafür ein Stück Korallengarten zu zerstören, das Jahrzehnte zum Wachsen gebraucht hat. Auf meinem Boot, der Blue Hole, gelten deshalb klare Regeln.

Das sind keine Vorschläge, sondern mein Kodex für Unterwasserfotografen – basierend auf jahrzehntelanger Erfahrung zum Schutz dessen, was wir alle lieben. Bevor Sie eine Kamera mit ins Wasser nehmen, geht es nicht nur um den Tauchschein. Die entscheidende Frage ist: Beherrschen Sie Ihre Tarierung und Ihr Situationsbewusstsein wirklich perfekt? Denn das ist die wahre Lizenz für verantwortungsvolle Fotografie.

Die richtige Körperhaltung: Schweben, nicht liegen!

Die wichtigste Fähigkeit eines Unterwasserfotografen ist nicht die Beherrschung der Kamera, sondern eine perfekte Tarierung. Sie müssen in jeder Position ruhig und stabil schweben können, ohne mit den Flossen Sediment aufzuwirbeln oder mit Ihrer Ausrüstung am Riff hängen zu bleiben. Das ist die absolute Grundlage.

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Viele Fotografen nehmen zu viel Blei mit, um vermeintlich ruhiger im Wasser zu liegen – ein fataler Fehler. Das zwingt sie, ihr Jacket ständig mit Luft aufzublasen und wieder abzulassen, was zu einer völlig instabilen Lage führt. Das Ergebnis: Sie treiben unkontrolliert auf das Riff zu oder schlagen mit den Flossen alles kurz und klein.

Finden Sie heraus, wie viel Blei Sie wirklich brauchen, und lernen Sie, die Feinabstimmung nur über Ihre Lunge vorzunehmen.

Meine Erfahrung zeigt: Die größten Schäden verursachen Fotografen, die sich für ein Motiv auf dem Riff ablegen oder mit den Knien abstützen. Ich habe schon zu oft gesehen, wie für ein einziges Bild Korallenstücke abgebrochen wurden, nur weil jemand unachtsam war. Das ist inakzeptabel. Auf meinen Tauchgängen gilt daher: Wer das Riff berührt, hat seine Kamera für diesen Tauchgang verwirkt.

Respektvoller Umgang mit Meeresbewohnern

Wir sind Gäste in der Welt der Fische, Schildkröten und Kraken. Unser Verhalten entscheidet darüber, ob die Tiere uns tolerieren oder gestresst die Flucht ergreifen. Ein gehetztes Tier ergibt niemals ein gutes Foto.

Halten Sie sich an klare, messbare Grenzen. Für Weitwinkelaufnahmen nähern Sie sich einem Motiv auf maximal 0,5 bis 1 Meter – alles andere stört bereits das natürliche Verhalten der Tiere. Widmen Sie sich einem stationären Motiv, etwa einem Korallenkopf mit Anemonenfischen, für höchstens drei Minuten. Danach ziehen Sie weiter und geben den Bewohnern ihre Ruhe zurück.

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Besonders wichtig ist der Umgang mit dem Blitz. Wiederholte Lichtblitze stressen die Tiere massiv. Meine Regel ist einfach: maximal fünf Blitze auf ein einzelnes Tier, dann wechseln Sie das Motiv oder schalten den Blitz aus. Ich erinnere mich an einen Tauchgang, bei dem eine Gruppe einen Oktopus so lange mit Blitzen bedrängte, bis er in Panik seine Tinte abstieß und floh. Ein solches Verhalten zeugt von einem tiefen Mangel an Respekt und Verständnis für die Unterwasserwelt. Jagen Sie niemals ein Tier, blockieren Sie niemals seinen Fluchtweg und fassen Sie unter gar keinen Umständen etwas an.

Der richtige Einsatz von Blitz und Beleuchtung

Ein externer Blitz ist für gute Unterwasserfotos entscheidend. Sein Licht holt die Farben zurück, die das Wasser schluckt. Doch die Intensität dieses Lichts kann für viele Meeresbewohner eine Qual sein. Besonders nachtaktive oder scheue Tiere wie Garnelen in Höhlen oder seltene Nacktschnecken sind extrem lichtempfindlich.

Richten Sie Ihren Blitz oder Ihre Videoleuchte daher niemals direkt und dauerhaft auf ein solches Tier. Nutzen Sie das Einstelllicht nur kurz zum Fokussieren und blitzen Sie dann gezielt für die Aufnahme. Wenn Sie bemerken, dass sich ein Tier durch das Licht zurückzieht oder unruhig wird, beenden Sie die Interaktion sofort. Ihr Foto ist seinen Stress nicht wert.

Meine Regeln – und warum ich keine Kompromisse eingehe

Auf der Blue Hole und bei allen Tauchgängen, die ich leite, gelten klare Regeln. Ich erkläre sie jedem Fotografen vor dem Tauchgang. Wer sich nicht daran hält, wird von mir direkt unter Wasser korrigiert und im Wiederholungsfall vom Tauchbetrieb ausgeschlossen. Das klingt hart, aber ich habe in 40 Jahren zu viel Zerstörung gesehen, um Kompromisse zu machen.

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Das schlimmste Szenario, das ich regelmäßig erlebe: Ein Fotograf liegt bäuchlings auf einem intakten Korallenblock, um einen winzigen Fisch zu fotografieren. Seine Flossen schlagen unkontrolliert nach hinten und zertrümmern die filigranen Korallen hinter ihm. Wenn ich so etwas sehe, schwimme ich sofort hin, tippe dem Fotografen auf die Schulter und zeige ihm unmissverständlich, dass er sofort Abstand nehmen und seine Position korrigieren muss. Wieder an Bord folgt dann ein sehr ernstes Gespräch.

Meine wichtigsten Regeln sind:

  1. Kein Kontakt: Berühren Sie niemals das Riff – weder mit den Händen noch mit den Knien, Flossen oder der Kamera.

  2. Perfekte Tarierung: Wer seine Tarierung nicht beherrscht, lässt die Kamera an Bord. Ohne Ausnahme.

  3. Abstand halten: Nähern Sie sich Tieren langsam und nur so weit, wie sie es tolerieren.

  4. Blitz-Limit: Maximal fünf Blitze pro Tier.

  5. Keine Manipulation: Verschieben Sie niemals etwas für ein besseres Motiv. Fassen Sie keine Tiere an, um sie in Position zu rücken. Ich musste einmal einen Tauchgang für die gesamte Gruppe abbrechen, weil ein Fotograf versuchte, einen Kugelfisch durch Bedrängen zum „Aufblasen“ zu zwingen. Das ist Tierquälerei und hat mit Tauchen nichts zu tun.

Ein Appell an Ihre Verantwortung

Wenn Sie eine Kamera mit ins Rote Meer bringen, tragen Sie eine doppelte Verantwortung: für Ihre eigene Sicherheit und für den Schutz dieses einzigartigen Ökosystems. Seien Sie ein Vorbild. Zeigen Sie durch Ihr Verhalten, dass Ihnen das Riff wichtiger ist als das perfekte Bild.

Gute Fotos entstehen nicht durch Rücksichtslosigkeit, sondern aus Geduld, Respekt und exzellenten Tauchfertigkeiten. Die besten Bilder sind die, die eine intakte und ungestörte Unterwasserwelt zeigen.

Helfen Sie mit, dass auch mein Sohn Samir und künftige Generationen diese Schönheit noch erleben dürfen. Seien Sie ein Botschafter des Riffs, nicht nur ein Fotograf.

Mimo
Mimo

Mohammed „Mimo“ Saad ist Tauchlehrer und war mit eigenem Tauchbetrieb sowie mehreren Booten jahrzehntelang in Sharm el-Sheikh aktiv. Er hat Hunderte Taucher ausgebildet, kennt jedes Riff des Roten Meeres und teilt sein Wissen auf sharmelsheikh.de als verantwortlicher Autor für alle Themen rund um Tauchen, Boote, Schnorcheln und Wassersport. Heute lebt Mimo in Deutschland – sein Bezug zu Sharm ist ungebrochen.

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