Dein Weg zum Tauchprofi: Der Guide für Divemaster und Tauchlehrer

Der Gedanke, das eigene Büro gegen das endlose Blau des Roten Meeres zu tauschen, ist ein Traum, den viele Taucher hegen. Aus einem Hobby wird Leidenschaft – und aus dieser Leidenschaft der Wunsch, diese Welt anderen zu zeigen. Ich heiße Mohammed Saad, aber die meisten nennen mich Mimo. Seit über 40 Jahren ist das Rote Meer vor Sharm el-Sheikh mein Arbeitsplatz. Ich habe Hunderte von Tauchern auf ihrem Weg zum Profi begleitet und kenne die Fragen, die Zweifel und die entscheidenden Momente.

Dieser Guide ist kein Verkaufsprospekt einer Tauchorganisation. Er ist die Summe meiner Erfahrungen – ein ehrlicher Ratgeber, der Ihnen den Weg vom ambitionierten Taucher bis zum gefragten Tauchlehrer aufzeigt. Gemeinsam gehen wir die einzelnen Schritte durch, klären die Kosten und treffen die richtigen Entscheidungen für Ihre Zukunft unter Wasser.

Ein Tag im Leben eines Divemasters in Sharm el-Sheikh

Viele stellen sich den Job als Divemaster als entspanntes Gleiten durch Korallengärten vor. Die Realität ist erfüllend, aber auch fordernd. Ein typischer Tag beginnt lange, bevor die Gäste am Hafen eintreffen.

06:30 Uhr: Der Wecker klingelt. Kurzer Check der Wetter-App und der Nachrichten vom Basisleiter. Welches Boot? Welche Gäste? Welche Tauchplätze stehen heute an?

07:30 Uhr: Ankunft am Hafen. Auf meinem Boot, der Blue Hole, beginnt die Vorbereitung: Wir laden die Pressluftflaschen, prüfen die Ausrüstung der Gäste und legen das Briefing-Material bereit. Gemeinsam mit der Crew sorgen wir dafür, dass für einen sicheren und reibungslosen Tag alles vorbereitet ist.

Blue Hole, Vorbereitung am Hafen

08:30 Uhr: Die ersten Gäste treffen ein. Als Divemaster sind Sie der erste Ansprechpartner. Sie begrüßen die Taucher, helfen bei der Ausrüstung, beantworten Fragen und nehmen nervösen Neulingen die erste Anspannung. Ihre Ausstrahlung und Kompetenz bestimmen die Atmosphäre des ganzen Tages.

09:30 Uhr: Auslaufen zum ersten Tauchplatz, zum Beispiel zum Jackson Reef. Während der Fahrt findet das Briefing statt: Topografie des Spots, erwartete Strömungen, welche Meeresbewohner wir wahrscheinlich sehen werden und natürlich alle Sicherheitsregeln. Klarheit und Vertrauen sind hier entscheidend.

10:30 Uhr: Der erste Tauchgang. Sie führen eine kleine Gruppe, achten dabei auf die Sicherheit, den Luftverbrauch und das Wohlbefinden jedes Einzelnen. Gleichzeitig navigieren Sie und zeigen die versteckten Highlights des Riffs. Nach dem Tauchgang helfen Sie allen wieder an Bord und sichern die Ausrüstung.

12:30 Uhr: Mittagessen an Bord, während das Boot zum zweiten Spot fährt. Das ist die Zeit für Gespräche, für das Logbuch und um die Erlebnisse des Vormittags Revue passieren zu lassen.

14:00 Uhr: Zweiter Tauchgang. Die Routine ist dieselbe, doch jeder Tauchgang ist anders.

16:30 Uhr: Rückkehr zum Hafen. Für die Gäste endet der Tag, für Sie aber beginnt der zweite Teil der Arbeit: Ausrüstung spülen, Flaschen zum Füllen bringen, das Boot aufräumen und den nächsten Tag planen.

Es ist ein langer, körperlich anstrengender, aber unglaublich bereichernder Tag. Sie sind Gastgeber, Führer, Sicherheitsbeauftragter und Entertainer in einer Person. Wenn am Ende glückliche Taucher das Boot verlassen, wissen Sie, warum Sie diesen Weg gewählt haben.

Die Leiter zum Profi: Alle Kurse und Stufen im Überblick

Der Weg zum Tauchprofi folgt einer klaren Struktur. Jeder Schritt baut auf dem vorherigen auf und vertieft Ihr Wissen und Ihre praktischen Fähigkeiten. Die meisten Tauchbasen in Sharm el-Sheikh folgen dieser bewährten Ausbildungsleiter.

  1. Open Water Diver (OWD): Die Grundlage. Hier lernen Sie die Basics des Gerätetauchens.
  2. Advanced Open Water Diver (AOWD): Sie sammeln Erfahrung in verschiedenen Bereichen wie Tieftauchen, Navigation oder Nachttauchen.
  3. Rescue Diver & EFR: Einer der wichtigsten Kurse. Sie lernen, Probleme zu erkennen, zu vermeiden und im Notfall richtig zu handeln. Emergency First Response (EFR) ist die zugehörige Erste-Hilfe-Ausbildung.
  4. Divemaster (DM): Ihre erste professionelle Stufe. Sie lernen, Tauchgänge zu führen, Tauchlehrer zu unterstützen und den Betrieb einer Tauchbasis zu managen.
  5. Instructor Development Course (IDC): Die Ausbildung zum Tauchlehrer. Hier lernen Sie nicht nur, wie man taucht, sondern vor allem, wie man das Tauchen lehrt.
  6. Instructor Examination (IE): Die finale, externe Prüfung, die Sie zum vollwertigen Tauchlehrer (Open Water Scuba Instructor) macht.

Voraussetzungen: Was Sie wirklich brauchen

Bevor Sie mit der Divemaster-Ausbildung beginnen können, müssen Sie einige formale und praktische Kriterien erfüllen. Diese sind bei den großen Verbänden sehr ähnlich:

  • Mindestalter: 18 Jahre
  • Zertifizierungen: Sie müssen als Rescue Diver (oder mit einem äquivalenten Brevet) zertifiziert sein.
  • Erste-Hilfe-Nachweis: Ein gültiger EFR-Kurs (oder ein Äquivalent), der nicht älter als 24 Monate ist.
  • Geloggte Tauchgänge: Mindestens 40 geloggte Tauchgänge bei Beginn des Kurses und mindestens 60 bei Abschluss für die Zertifizierung. Aus meiner Erfahrung empfehle ich jedoch, mit deutlich mehr Tauchgängen in die Ausbildung zu starten – idealerweise um die 100. So können Sie sich voll auf die neuen Führungsaufgaben konzentrieren.
  • Ärztliches Attest: Eine gültige Tauchtauglichkeitsbescheinigung von einem Arzt, die nicht älter als 12 Monate ist.

Die Kosten-Wahrheit: Was Ihre Tauchkarriere WIRKLICH kostet

Eine der häufigsten Fragen, die man mir stellt, betrifft die Kosten. Die Preise variieren stark je nach Land und Tauchbasis. Wichtig ist, alle Posten im Blick zu haben, nicht nur die reinen Kursgebühren. Ein realistischer Überblick zeigt, dass sich die Kosten schnell auf 1.000 € bis 1.500 € summieren können.

In Ländern wie Ägypten oder Thailand sind die reinen Kursgebühren oft niedriger, da die Ausbildung meist in Form eines längeren Praktikums (Internship) stattfindet, bei dem Sie auf der Basis mitarbeiten. Dafür müssen Sie jedoch die Lebenshaltungskosten für mehrere Wochen oder Monate einplanen.

Ein entscheidender Kostenfaktor ist die eigene Ausrüstung. Denn spätestens als Divemaster wird von Ihnen eine komplette, hochwertige und vertraute Ausrüstung erwartet.

Ausrüstung am Tauchplatz

PADI vs. SSI: Die wichtigste Entscheidung Ihrer Karriere (Unvoreingenommener Vergleich)

Die Wahl zwischen PADI und SSI ist für viele angehende Profis die erste große Hürde. Lassen Sie mich eines vorwegnehmen: Beide Organisationen sind weltweit anerkannt und bieten eine exzellente Ausbildung. Es gibt kein „besser“ oder „schlechter“, nur Unterschiede in der Philosophie und im Vorgehen, die besser oder schlechter zu Ihnen persönlich passen.

In über 40 Jahren habe ich mit Tauchlehrern beider Verbände gearbeitet. Hier ist mein unvoreingenommener Vergleich der Punkte, die für Sie wirklich zählen.

Meine persönliche Empfehlung: Sprechen Sie mit Tauchlehrern beider Verbände. Suchen Sie sich eine Tauchbasis und einen Course Director (Ausbilder der Tauchlehrer), bei denen Sie sich wohlfühlen und deren Philosophie Ihnen zusagt. Am Ende des Tages ist die Qualität Ihres Ausbilders wichtiger als das Logo auf Ihrer Zertifizierungskarte.

Der Weg zum Tauchlehrer (IDC): Der nächste Schritt

Nach dem Divemaster ist der Instructor Development Course (IDC) der logische nächste Schritt. Diese intensive, meist 10- bis 14-tägige Ausbildung bereitet Sie gezielt auf die abschließende Tauchlehrerprüfung, die Instructor Examination (IE), vor.

Im IDC lernen Sie, wie Sie Theorie-Lektionen, Übungen im Pool und Tauchgänge im Freiwasser unterrichten. Der Fokus verschiebt sich: Es geht nicht mehr nur darum, was Sie können, sondern wie Sie Ihr Wissen und Können verständlich, sicher und motivierend an Ihre Schüler weitergeben.

Die IE ist eine zweitägige, standardisierte Prüfung, die von einem externen Prüfer (Examiner) des Verbandes abgenommen wird. Wer hier besteht, darf sich offiziell Open Water Scuba Instructor nennen und weltweit Tauchschüler ausbilden.

Jobaussichten & Gehalt: Karriere machen in Sharm el-Sheikh (und weltweit)

Mit dem Tauchlehrer-Brevet in der Tasche stehen Ihnen weltweit Türen offen. Sharm el-Sheikh ist dabei seit jeher ein Hotspot für Tauchprofis. Doch wie sehen die reellen Chancen aus?

Wichtige Faktoren für Ihren Erfolg in Sharm el-Sheikh:

  • Sprachen: Deutsch und Englisch sind die Basis. Jede weitere Sprache (z. B. Russisch, Italienisch, Französisch) ist ein enormer Vorteil und erhöht Ihre Chancen und Ihr Gehalt.
  • Saison: Die Hauptsaisonen sind von März bis Juni und von September bis November. In diesen Zeiten werden die meisten Tauchlehrer gesucht. Der Hochsommer (Juli/August) ist ebenfalls stark, während es im Winter (Dezember bis Februar) ruhiger wird.
  • Flexibilität: Zu Beginn Ihrer Karriere werden Sie wahrscheinlich als Freelancer für verschiedene Basen arbeiten. Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und ein professionelles Auftreten sind Ihr wichtigstes Kapital.
  • Spezialisierungen: Zusätzliche Instructor-Specialties wie Nitrox, Deep, Wreck oder Fotografie machen Sie für Tauchbasen wertvoller.

Tauchbasis und Ausrüstung in Sharm el-Sheikh

Häufige Fragen (FAQ) auf dem Weg zum Tauchprofi

Kann ich vom Tauchen wirklich leben?

Ja, aber erwarten Sie keinen Reichtum. Es ist ein Lifestyle-Beruf. In den ersten Jahren deckt das Gehalt die Lebenshaltungskosten in Tauchresorts wie Sharm el-Sheikh meist gut ab. Erfahrene Tauchlehrer mit vielen Sprachen und Spezialisierungen oder Basisleiter können ein gutes Einkommen erzielen.

Wie wichtig ist meine eigene Ausrüstung?

Ab dem Divemaster-Level ist eine komplette, eigene und gut gewartete Ausrüstung unerlässlich. Sie ist Ihr Arbeitswerkzeug und ein Zeichen Ihrer Professionalität. Niemand möchte von einem Guide geführt werden, der sich seine Ausrüstung erst zusammenleihen muss.

Muss ich ein extrem sportlicher „Super-Taucher“ sein?

Nein. Eine gute Grundfitness und exzellente Wasserlage sind wichtig. Viel entscheidender sind jedoch Verantwortungsbewusstsein, Ruhe, gute Kommunikationsfähigkeiten und die Fähigkeit, unter Druck einen klaren Kopf zu bewahren.

Wie finde ich den ersten Job?

Der beste Weg ist immer noch, die Ausbildung direkt vor Ort bei einer renommierten Tauchbasis zu machen. Wenn Sie während Ihres Divemaster-Trainings oder IDC überzeugen, sind Sie der erste Kandidat, sobald eine Stelle frei wird. Netzwerken ist alles in dieser Branche.

Fazit: Meine wichtigsten Tipps für Ihren Erfolg

Der Weg zum Tauchprofi ist eine der lohnendsten Reisen, die Sie antreten können. Es ist mehr als nur ein Job – es ist eine Berufung. Wenn ich auf meine Jahrzehnte im und auf dem Roten Meer zurückblicke, möchte ich Ihnen drei Ratschläge mit auf den Weg geben:

  1. Seien Sie demütig: Das Meer ist immer stärker als Sie. Respektieren Sie es, lernen Sie jeden Tag dazu und überschätzen Sie niemals Ihre Fähigkeiten.
  2. Der Gast ist König: Ihre Aufgabe ist es, anderen Menschen eine unvergessliche und sichere Zeit zu bereiten. Geduld, Empathie und Serviceorientierung sind genauso wichtig wie Ihre taucherischen Fähigkeiten.
  3. Finden Sie einen Mentor: Suchen Sie sich einen erfahrenen Tauchlehrer, dem Sie vertrauen. Lernen Sie von ihm, nicht nur im Wasser, sondern auch an Land. Die besten Lektionen stehen in keinem Lehrbuch.

Wenn Sie diesen Weg mit Leidenschaft und Professionalität gehen, wartet ein Leben voller unvergesslicher Momente auf Sie. Vielleicht sehen wir uns eines Tages auf einem Boot hier in Sharm el-Sheikh.

Tauchlehrer und Mentor auf einem Boot

Mimo
Mimo

Mohammed „Mimo“ Saad ist Tauchlehrer und war mit eigenem Tauchbetrieb sowie mehreren Booten jahrzehntelang in Sharm el-Sheikh aktiv. Er hat Hunderte Taucher ausgebildet, kennt jedes Riff des Roten Meeres und teilt sein Wissen auf sharmelsheikh.de als verantwortlicher Autor für alle Themen rund um Tauchen, Boote, Schnorcheln und Wassersport. Heute lebt Mimo in Deutschland – sein Bezug zu Sharm ist ungebrochen.

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